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HNA Kassel vom 5.10.2016 - Minimal Musik Festival Kassel RNZ Heidelberg vom 17.02.16 -La Follia

RNZ Heidelberg vom 28.04.14 - Leimen: So etwas gibt es selten


Leimen: So etwas gibt es selten in einem Gotteshaus

Leimen. (jtt) Wenn den Veranstaltern bei einem Konzert die Programmzettel ausgehen, dann ist das ein gutes Zeichen. Wenn dabei auf dem Programm eine nicht gerade leicht bekömmliche und alltägliche Kost zu finden ist, sondern ein Zusammenspiel von Flöte und Butohtanz unter dem mysteriösen Titel "o.d.e.m." angekündigt wird, dann sagt das auch einiges über das Publikum aus:
Dass es bereit ist, sich auf eine ganz neue Erfahrung einzulassen und die Herausforderung einer ausgefallenen und anderen Stilrichtung anzunehmen.
 
Tänzer Alexander Peschko hatte zusammen mit Flötistin Ute Schleich die Leimener Mauritiuskirche mit knisterndem Flair gefüllt und die Zuschauer gleich zu Beginn in gespannte Erwartung versetzt: So musste etwa der Mittelgang der Kirche unbedingt frei gehalten werden, um dem Tänzer die größtmögliche Ausdrucksfläche und Improvisationsfreiheit zu bieten.
 
"Ausdruck" ist auch das Stichwort, mit dem sich der am Ende der 1950er Jahre in Japan aufgekommene Butohtanz am besten beschreiben lässt. Der Tänzer drückt seine momentane Gefühlslage zu den Klängen unterschiedlicher Musikstile aus. Im Vorfeld festgelegt sind jedoch nur wenige Bewegungssequenzen, das meiste erschließt sich dem spontanen Charakter des Augenblicks. Odem ist dabei die ursprüngliche, alles durchdringende Lebensenergie und der Atem, der das verbindende Element zwischen Flötenspiel und Tanz bildet. Die Punkte zwischen den Buchstaben sollen das Publikum zum Nachdenken anregen, wie Schleich es in ihrer Ansprache ausdrückte.
 
So reich an Facetten der Tanz ist, so unterschiedlich sind auch die Stücke, die sie präsentierte. Neben Sebastian Bach fanden sich zwei japanische Komponisten und der Minimal-Komponist Ulli Götte auf dem Programmzettel. Auch Schleich passte ihre Instrumentenauswahl stets der Thematik der Stücke an und zauberte mit ihren unterschiedlichen Blockflöten ganz verschiedene Klangfarben herbei. Dass der Butohtanz dabei in dem Bestreben entstanden ist, mit alten japanischen Traditionen zu brechen, ist auch heute noch zu erkennen. Selten war die Mauritiuskirche wohl Schauplatz solch ungewöhnlicher Kunstdarbietung: Sie erlebte einen Alexander Peschko, der mal mit dem Rücken den Zuschauern zugewandt, mal fast nackt und mit weißer Farbe geschminkt, mal in einem Glaskasten zusammengekrümmt und mal mit gefühlt endlosen Momenten des Stillstandes das Spannungsfeld zwischen Tänzer und Publikum auf die Probe stellte.
 
So fremdartig und provokant der Tanz auch sein mochte, dem Publikum hat es gefallen. In den Minuten tosenden Applauses konnte Alexander Peschko wieder aus seiner Rolle auftauen und sich gemeinsam mit Ute Schleich mit einer ganz und gar konventionellen Verbeugung für den Beifall der Zuschauer bedanken.

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