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HNA Kassel vom 5.10.2016 - Minimal Music Festival Kassel

RNZ vom 17. 02.2016 - La Follia


Trio brilierte mit barocker Spielfreude

Konzert des Kulturkreises Mühlhausen-Malsch
— Flötistin Ute Schleich begeisterte durch eine meisterliche Bandbreite
 
Tairnbach.(rka) Es soll ja noch immer Zeitgenossen geben, die die Blockflöte für ein „Kinderinstrument“ halten. Die Solistin Ute Schleich dürfte diese jedoch mit ihrem Auftritt beim Kulturkreis Mühlhausen-Malsch in der evangelischen Kirche in Tairnbach nachdrücklich eines Besseren belehrt haben. Das virtuose Farbenspiel, das die Flötistin auf ihren Instrumenten mit staunenswerter Leichtigkeit entfachte, bewegte sich auf hohem Niveau und trug ihr und ihren Begleitern Michael Spengler (Viola da Gamba) und Irene Müller-Glasewald (Cembalo) rauschenden Applaus ein. Obwohl Klassik und Romantik die Blockflöte in ihren Kompositionen aussparen, bedeutete dies für Ute Schleich keine Begrenzung oder Einengung ihrer Möglichkeiten: Die Epochen des Barock und der Moderne boten eine Fülle von Werken, um die ganze Bandbreite des Instruments meisterhaft auszuschöpfen.
Dies glückte gleich zum Auftakt mit der vierteiligen „Sonate III C-Dur/Der brauchbare Virtuoso“ des Hamburger Domkantors Johann Mattheson. Durch geschickte Wechsel in der Continuo- Gruppe mit Viola da Gamba und Cembalo wurde ein Maximum an Klangfarbe erzielt, das die Basis für Ute Schleichs Künste an der Blockflöte bildete. Dies war auch nötig, um dem weiteren Programm mit Werken von Giuseppe Sammartini, Carl Friedrich Abel, Signor Detri und Arcangelo Corelli jenes Leben einzuhauchen, das einen solchen Konzertabend über die Distanz trägt. Die Instrumen- talisten taten dies mit einer hohen stilistischen Kompetenz und absoluter Perfektion im Zusammenspiel. Mittel- und Glanzpunkt war Ute Schleich, die ihre Instrumente mit großer Virtuosität in den schnellen und äußerster tonlicher Wärme in den langsameren Sätzen spielte.

In der „Sonata G-Dur“ von Giuseppe Sammartini demonstrierte die Flötistin allerhöchste instrumentale Kunst, bei der nicht nur schnelle Finger gefragt waren, sondern auch eine ausgezeichnete Stilkenntnis, eine durch bewusstes Vibrato erzeugte Wandelbarkeit des Tons und eine Lebendigkeit der Körpersprache, die sich auf das Publikum übertrug. Fast ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte zog hier am Ohr vorbei, vielgestaltig, kurzweilig und brillant gespielt.
Auch bei der „Sonata c-moll“ eines völlig imbekannten Signor Detri erlebte der Zuhörer wunderschöne Barockmusik in einer sehr lebhaften, aber nie überspannten Interpretation mit teilweise
atemberaubender Schnelligkeit, die sich aber nie in den Vordergrund drängte. Dabei verstand es die Künstlerin, auch bewusst zu machen, wie viel improvisatorische Elemente die Barockmusik enthält. Die rasende Geschwindigkeit ist bereits eine Kunst, doch die Solistin bot dazu vor allem in den getragenen Sätzen einen enorm ausdrucksstarken Vortrag.
Als einer der letzten Virtuosen auf der Viola da Gamba wurde Carl Friedrich Abel von seinen Zeitgenossen als Solist und Komponist gleichermaßen gefeiert. Dann geriet das Instrument in Vergessenheit und wurde vom aufstrebenden Violoncello verdrängt. Erst im 20. Jahrhundert erlebte die Gambe eine Renaissance, bei diesem Konzert mit einem „Adagio d-moll“ von Abel, sehr ausdrucksvoll vorgetragen von Michael Spengler. Neben diesen hoch- und spätbarocken Werken waren auch Soli für Cembalo und Bassflöte zu hören, die den Bogen zur heutigen Zeit spannten: Admiring Yoro Waterfall“, geschrieben 2001 für Cembalo solo von Graham Lynch, gespielt von Irene Müller-Glasewald.
Kann Musik die Grenzen eines geteilten Landes überwinden? Der koreanische Komponist Isang Yun (1917-1995) bemühte sich Zeit seines Lebens darum, mithilfe der Musik zwischen Nord- und Südkorea zu vermitteln. Heute begeistert seine Musik Menschen in beiden Teilen Koreas, er bildet damit einen „Brückenkopf zwischen Nord und Süd“. Aus dem Zyklus „Chinesische Bilder“ spielte Ute Schleich auf ihrer Bassflöte solis- tisch das Stück „Der Eremit am Wasser“. Ganz im Gegensatz zur europäischen Musik ist hier der einzelne Ton ein „Nomade“, in sich vielgestaltig, doch alleine bestehend. Man hörte das Murmeln des Wassers, man spürte förmlich die Ruhe und Einsamkeit, aber auch die Wehmut, die Yun in der Sehnsucht nach seiner verlorenen Heimat empfand.
Arcangelo Corellis „La Follia“ hatten sich die Musiker bis zum Schluss aufgehoben. Ute Schleich spielte auf der Blockflöte so feurig-impulsiv, dass die Funken flogen, und wurde dabei vom pulsierenden Basso Continuo auf das Schönste begleitet. Grundlage des Werkes ist eine höfische „Sarabande“, die Corelli auf geniale Weise variiert. Prägend dabei sind die kontrastreichen Affekte, der ständige Wechsel von Tempo, Takt und Charakter. Wie wandlungsfähig der vermeintlich so zarte Ton der Blockflöte ist, führte Ute Schleich nochmals zu Ohren, als sie ein wahres Feuerwerk an Tönen abbrannte.


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